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Lerne die Tränen deines Kindes zu verstehen



Vielleicht bist du schon einmal in folgende Situation geraten. Dein Baby weint ganz aufgebracht auf deinem Arm. Du bist seine ganzen Bedürfnisse durchgegangen wie Hunger oder Kuscheln, all dies scheint es nicht zu sein. Du läufst mit deinem Baby auf dem Arm durch das Zimmer und verzweifelst immer mehr, weil du ihm nicht helfen kannst. Dann muss es wahrscheinlich Bauchweh sein oder ein Zahn bricht durch, vielleicht steckt es gerade in einem Entwicklungsschub oder es ist einfach nur übermüdet. All dies geht dir durch den Kopf, während du den Fliegergriff ausprobierst, den Bauch mit Kümmelöl einschmierst oder auf einem Pezziball mit deinem Baby im Arm auf und ab wippst. Kurzfristig scheint es zu helfen, aber wehe du hörst auf dich zu bewegen. Du fühlst dich von Gefühlen der Ohnmacht, Verzweiflung und Hilflosigkeit übermannt. Deine Nerven liegen komplett blank. Frustriert hältst du durch, bis dein Baby irgendwann erschöpft eingeschlafen ist. So hattest du dir deine Elternrolle sicherlich nicht vorgestellt.







Warum weint mein Baby, obwohl ich alle seine Bedürfnisse befriedigt habe? Was mache ich falsch?

So erging es mir mit meiner Tochter. Wenn ich an die Zeit vor 9 Jahren zurückdenke, habe ich sie nur herumgetragen oder gestillt. Sie hat ständig geweint. Mindestens 5 Stunden am Tag. 7 Monate lang. Ich hielt mich für die unfähigste Mutter aller Zeiten. Die Hebamme wusste keinen Rat und der Arzt fand keinen Anhaltspunkt für ihr unentwegtes Weinen. Ich fühlte mich allein gelassen.


Unstillbares Schreien führt häufig auf beiden Seiten zur Verzweiflung und Ohnmacht. Sehr stark ist der Druck von außen, dem wir als Eltern ausgesetzt sind: Nur ein ruhiges Baby ist ein glückliches Baby. Dies löst bei uns Eltern große Hilflosigkeit aus, wenn wir es nicht schaffen, unser Baby in einer für uns angemessenen Zeit zu beruhigen. Die anderen Eltern bekommen es doch auch hin, warum ich nicht ?


Wir haben viele unwahre kulturelle Glaubenssätze über Babys, die wir ungefragt hinnehmen und selten hinterfragen. Diese Glaubenssätze können uns und dem Baby das Leben unnötig schwer machen und sie können viel Leid verursachen. Vielleicht entdeckst du auch einige Glaubenssätze, die du übernommen hast.


  • Ein ruhiges Baby ist ein zufriedenes Baby.

  • Babys müssen sofort beruhigt werden und dürfen nicht weinen.

  • Babys sind unbewusst und bekommen nicht viel mit.

  • Babys erinnern nicht die Schwangerschaft und die Geburt.

  • Geburt und Schwangerschaft können später keine Auswirkungen auf unsere Psyche haben, weil wir uns nicht daran erinnern.



Eine gute Mama hat ein ruhiges Baby. Ist es ruhig, ist es glücklich. So unsere Glaubenssätze.

Zu mir kommen u.a. viele verzweifelte Eltern, weil ihre Babys viel weinen und sie nicht wissen, warum es weint und ich sehe ebenso viele verzweifelte Babys, die probieren sich mitzuteilen und sich wirklich gegen Schnuller, Flasche, Brust wehren und ihre Milchmahlzeiten sofort erbrechen. Manchmal werden richtige Kämpfe an der Brust ausgefochten, nur um dem Baby vermeintlich etwas Gutes zu tun. Die Eltern sind sichtlich gestresst, weil sie es nicht schaffen, ihr Kind zu beruhigen und das Baby ist gestresst, weil es etwas ausdrücken möchte, aber daran gehindert wird.


Doch warum weint ein Baby, obwohl alle Bedürfnisse erfüllt sind? Warum will es an die Brust, um sie dann in der nächsten

Sekunde wieder auszuspucken und anzuschreien? Ist es wirklich nur Bauchweh? Darf ein Baby tatsächlich nicht weinen?

Die Verzweiflung und Ohnmacht entstehen, weil uns häufig nur folgende Punkte für Weinen bekannt sind:

  • Bedürfnisweinen

  • Weinen um den Tag verarbeiten

  • Zahnen

  • Bauchweh

  • sonstige Schmerzen

  • Unwohlsein


Weinen dient u.a. der Bedürfnisbefriedigung. Es sichert sein Überleben und sein Bedürfnis nach


  • Nahrung

  • Kontaktaufnahme

  • Körperliche Nähe

  • Schmerzreduzierung: durch Streicheln

  • Ruhe/ Schlaf

  • Stimulierung der Sinne durch mehr äußere Reize usw.


Ist das Bedürfnis erfüllt, verstummt das Weinen. Dies ist das meist geläufigste Weinen, welches uns bekannt ist. Da wir uns oftmals nur auf dieses Weinen fokussieren, löst es besonders oft Verzweiflung aus, wenn wir probieren Bedürfnisse zu erfüllen und unser Baby trotzdem weint. Das liegt daran, das uns die anderen Gründe leider nicht bekannt sind.


Hast du schon mal davon gehört, das Babys auch weinen, weil sie gestresst sind? Das Weinen dann ein normaler Schutzmechanismus des Körpers ist?


Weinen dient somit auch einer natürlichen Stressregulierung. Stressabbau als auch eine bessere Verarbeitung und Integration von Erfahrungen, insbesondere Erfahrungen der Geburt und der Schwangerschaft, sind die Folge. Voraussetzung dafür ist, dass eine Bezugsperson anwesend ist, die den Weinprozess empathisch begleitet und dem Baby dabei Sicherheit vermittelt. Ein Baby darf niemals alleine Weinen. Viele Babys, die abends beim Weinen empathisch begleitet werden, haben anschließend einen viel ruhigeren Schlaf und sind allgemein entspannter. Dein Baby kann nicht joggen gehen, um sich von seinem Stress zu befreien oder euch mitteilen, was diesen Stress in ihm verursacht. Es kann nur weinen. Das Weinen unterstützt die Homöostasie im Körper. Es gibt vielfältige Gründe, die zu innerem Stress bei einem Säugling führen können. Von großer Bedeutung sind unverarbeitete Schwangerschafts- und Geburtserlebnisse und daraus resultierende Bindungsstörungen. Durch Weinen baut dein Baby emotionalen Stress ab. Viele Babys probieren sich von ihren Emotionen zu befreien und das Unterdrücken des Weinens kann zu noch mehr Stress im kleinen Körper führen. Durch Trinken, den Schnuller, an der Brust nuckeln oder Umhertragen können wir keine Gefühle langfristig wegzaubern, sie sind hinterher trotzdem noch da, sie wurden nur unterdrückt. Genauso wie wir nicht durch Essen oder Rauchen unser Unglücklichsein auf Dauer beseitigen können.


Mit meiner heutigen Erfahrung kann ich rückblickend sagen, dass meine Tochter einen Schock aufgrund ihrer Sturzgeburt erlitten hatte, mit zu schneller Abnabelung der Nabelschnur, was ihren Schock nur noch verstärkte. Hinzu kam das ich selbst hochgradig gestresst war, auch einen unerkannten Geburtsschock hatte und dann nebenbei noch in einer Prüfungsphase steckte. Sie hatte keine Chance ihren Schock zu verarbeiten, weil wir ihre Tränen nicht verstanden und uns als Eltern jegliche Kenntnisse darüber fehlten, ein ausgeglichenes Umfeld zu gestalten, in dem sich ihr hochgradig alarmiertes Nervensystem entspannen konnte.


Im nächsten Beitrag gehe ich auf eine sehr wichtige Weinart ein, dem Erinnerungsweinen. Ich erkläre auch, wie Babys mit ihrer Körpersprache ihre Geburtserfahrung kommunizieren.

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